01/01/2010 - 12:20 by Leandro Riva 
"Vater der heutigen Gitarristik"
2009, ein Jubiläumsjahr von vielen berühmten Komponisten. Im Schatten der Konzerte und Festspiele zu Ehren von Händel († 1759) und Haydn († 1809) fand am 21. November 2009 in Laatzen bei Hannover ein Gedenkkonzert für Francisco Tárrega statt. Das von den Gitarrenlehrern Eberhard Panitz und Leandro Riva organisierte Konzert war wahrscheinlich das einzige weit und breit, obwohl Tárrega auch als „Vater der heutigen Gitarristik“ gilt.

Seine Bedeutung in der heutigen Gitarrenwelt ist groß, zumal er nicht nur zahlreiche Eigenkompositionen geschrieben, sondern auch viele Werke großer Komponisten wie Mozart, Bach oder Chopin für Gitarre transkribiert hat. Gespielt wurden seine Kompositionen durch Schüler und Lehrer der Musikschule Laatzen, jedoch nicht nur auf Gitarre, sondern auch auf anderen Instrumenten. Unter den vorgetragenen Stücken, im Original alle für eine Gitarre komponiert, befanden sich viele Erstaufführungen für Gitarrenduo bzw. Violine und Gitarre in neuen Fassungen und Bearbeitungen von Eberhard Panitz. So zum Beispiel die „Danza Mora“, ein Maurischer Tanz, der erst 1914 veröffentlicht wurde. Die Fassung für zwei Gitarren wirkte harmonischer als das Original, da die beiden Gitarren abwechselnd Melodie- und Begleitstimme übernahmen und sich die Motive zuspielten.
Im Gegensatz dazu wurde Präludium No.1 von zwei Schülerinnen der Musikschule Laatzen, Firuza und Leyla Ibadova, auf Violine und Gitarre vorgetragen. Durch die zusätzliche Begleitstimme wirkte das Stück intensiver und romantischer als das Solostück.
Eines der berühmtesten Stücken Tárregas, das „Capricho Àrabe“, wurde von Ivana Topalovic präsentiert, die an der Musikschule Klavier lehrt. Die Transkription von Gitarre in Klavier erfolgte durch Manuel Burgés, ein Zeitgenosse Tárregas. Die Klavierfassung, die man eher mit Spannung erwartete, brillierte im Durteil, der sich weitaus klangvoller anhörte, als die originale Gitarrenfassung.
Auch die Glissandi im Präludium No.2 und „La Mariposa", der Schmetterling, ausgeführt von Leandro Riva und Eberhard Panitz, begeisterten das Publikum. Das letzte Stück im Programm, „Recuerdos de la Alhambra“ (Erinnerungen an die Alhambra) wurde in der Fassung für zwei Gitarren vorgetragen, wobei die zweite Stimme von Julio Sagreras (1879-1942) stammte. Das Stück war durch die Gegenstimme im zweiten Teil hörenswerter als das Original und forderte das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen heraus. Als Zugabe gab es noch einen Walzer das vielleicht einzige Originalstück für zwei Gitarren von Tárrega.
Zwischen dem ersten und zweiten Teil des Konzertes wurde ein Diavortrag über das Leben von Tárrega gezeigt, mit vielen zum Teil unbekannten Fotos. Das Konzert war für die Besucher ein besonderes Erlebnis, da erfahrene Schüler und ihre Lehrer gemeinsam auch wenig bekannte Stücke von Tarréga darboten und einiges über den wohl wichtigsten Komponisten für Gitarrenmusik des letzten Jahrhunderts gelernt werden konnte.
Marie Haase, 15 (Mitwirkende des Gedenkkonzertes)